1866-2026. Restaurierungen zur Wiederentdeckung der Kunst der Freiheit
1866-2026. Restaurierungen zur Wiederentdeckung der Kunst der Freiheit
Schloss von Udine, Piazzale della Patria del Friuli, 1 - Udine
18. Juni – 13. September 2026
Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 18:00 Uhr
(Letzter Einlass 17:30 Uhr)
Zur Feier des 160. Jahrestages der Eingliederung von Udine und des größten Teils Friauls in das Königreich Italien (1866) präsentiert das Museum des Risorgimento eine Auswahl von Kunstwerken aus seinen Sammlungen, die nach vielen Jahrzehnten dank bedeutender Restaurierungsmaßnahmen nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich sind. Diese Arbeiten wurden durch das Engagement der Städtischen Museen von Udine, durch Beiträge der Region Friaul-Julisch Venetien sowie durch die Kofinanzierung der Friuli-Stiftung (Restaurierungsförderung 2025) ermöglich.
Die Ausstellung lädt die Besucherinnen und Besucher dazu ein, über die traditionellen Gegensatze von „Gut“ und „Bose“ sowie von „Wir“ und „den Anderen“ hinauszudenken. Sie würdigt die Opfer, familiären Beziehungen und Hoffnungen, die das Leben jener unterschiedlichen Persönlichkeiten geprägt haben, welche die friaulische, italienische und europäische Gesellschaft bis in die Gegenwart mitgestaltet haben: Konservative, Demokraten, Angehörige, religiöser Minderheiten, Freimaurer, Antiklerikale, Monarchisten und Republikaner.
Entlang der Route laden die Porträts einiger junger friulanischer Auswanderer, die im Namen der Freiheit und der Einigung Italiens ihr Leben verloren, dazu ein, darüber nachzudenken, wie die Ideale des Risorgimento ganze Generationen dazu bewegten, auszuwandern und Opfer zu bringen. Das Porträt des venezianischen Kerkermeisters von Silvio Pellico erinnert an das Thema der politischen Repression sowie an dessen Aufenthalt in Udine während seiner Überführung in das berüchtigte Gefängnis von Spielberg, wie er ihn in seiner Memorien Meine Gefängnisse (Le mie prigioni) schildert.
Die Sammlung österreichisch-ungarischer Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg stellt hingegen ein seltenes Zeugnis für den Einsatz von Propaganda zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung unter der Herrschaft der Habsburger dar.
Die Porträts der Wiener Herrscher, die Friaul mit harter Hand regierten, werden den Bildnissen mehrerer friaulischer Patrioten des Risorgimento sowie bedeutender Persönlichkeiten der italienischen Revolution gegenübergestellt, darunter König Viktor Emanuel II., Garibaldi und Papst Pius IX., der als letzter „Papstkönig“ bezeichnet wird. Auch aufwendige politische Allegorien fehlen nicht. Neben zahlreichen gemalten Porträts sind Zeichnungen, Lithografien und seltene Oleografien zu sehen: Dabei handelt es sich um kolorierte Lithografien, die auf Leinwand aufgezogen, mit Öl- oder Wasserfarben nachbearbeitet und anschließend gerahmt wurden. Die unteren Mittelschichten nutzten sie zur Ausschmückung ihrer Salons, wenn sie sich keine in Öl gemalten Porträts oder Allegorien leisten konnten, und brachten damit ihren Patriotismus und ihre politischen Ideale zum Ausdruck.
Einige Radierungen erinnern an berühmte Kriegsepisoden, die sich in Friaul ereigneten, wie etwa die Schlacht am Tagliamento (Battaglia del Tagliamento) im Jahr 1797. Andere Bilder veranschaulichen die Entwicklung Udines unter österreichischer Herrschaft: Besonders bemerkenswert ist die Militarisierung des Burgbergs, der zwischen 1848 und dem 26. Juli 1866, dem Tag des österreichischen Rückzugs aus der Stadt Udine, zur „Festung San Biagio“ umgestaltet wurde.
Bemerkenswerte Wappen zeigen uns, wie die verschiedenen Mächte, die im 19. Jahrhundert nacheinander in Friaul herrschten, ihr öffentliches Erscheinungsbild bis ins kleinste Detail sorgfältig pflegten.
In Udine hielten sich zudem Angehörige der europäischen Oberschicht auf, die auf ihren Reisen zum Wiener Hof oder in die Zentren der verschiedenen, vor der Einigung von den Habsburgern kontrollierten italienischen Staaten Station machten. Im Gegensatz zu dieser Elite stand die „Friaulische Gesellschaft der Veteranen und ehemaligen Kampfer der ‚Schlachten des Vaterlandes‘“, eine Institution, die Aktivisten unterschiedlicher sozialer Herkunft und politischer Ausrichtung bei der Weitergabe der Erinnerungen an das Risorgimento zusammenführte. Dies geschah auch dank Schenkungen und historischer Hinterlegungen, die die Sammlungen des Museums bereicherten.
Die Ausstellung endet mit einem Video, das anhand von Interviews mit den Restauratoren die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse präsentiert, die aus den Restaurierungsarbeiten in diesen Kunstwerken hervorgegangen sind. Die Restaurierungen rächten zudem neue Hypothesen zur Zuschreibung und Interpretation einzelner Werke ans Licht, die in zukünftigen Forschungen weiter untersucht werden sollen.
Dank der Zusammenarbeit zwischen Institutionen, Verbanden, Stiftungen und Fachleuten ist es nun möglich, das historische und gesellschaftliche Erbe wiederzuentdecken.
Informationen
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Tel: +39 0432 1272591



